Chondroitin bei häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten

Bei häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten wird oft Antiobiotika eingesetzt, Chondroitin hat sich allerdings auch zur Regenerierung der Blasenschleimhaut und Stärkung der Blasen-Wiederstandsfähigkeit gegen Infekte bewährt. Bekannterweise sind die Zellen im Inneren der Blase, die Urothelzellen, ein bedeutender Teil der Abwehrkräfte gegen Harnwegsinfekte.

Die Urothelzellen unterstützen den Körper dabei unerwünschte Substanzen, wie Bakterien etc., in die tieferen Schichten der Blase einzudringen. Ferner bilden sie so genannte Proteoglycane, welche auf der inneren Oberfläche der Blase eine Schicht aus Glycosaminoglycanen (GAG) bilden. Wird die Schicht aus GAG beschädigt, erleichtert dies Bakterien das Anhaften an der Blasenwand, was wiederum eine Rolle bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten spielen kann. Um wiederkehrende Harnwegsinfekte zu verhindern werden daher alternative Behandlungsmöglichkeiten entwickelt, welche sich auf die Wiederherstellung der Integrität der GAG-Schicht konzentrieren.

Um diese Wiederherstellung zu erreichen werden Substanzen in die Blase injiziert, welche zur Konstruktion von GAG vom Körper benötigt werden. Dazu zählen insbesondere Injektionen mit Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat. Bekannt ist dieser Ablauf auch als intravesikale Instillationstherapie.1

Wissenschaftliche Belege zur Wirkung von Chondroitin bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen

Eine neuere Studienarbeit von Tornero Ruiz Jl et al. belegte zu dieser Thematik eindeutig die Wirkung von einer intravesikalen Instillationstherapie mit Chondroitinsulfat und Hyaluronsäure bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen. Nach 12 Monaten wurde bei den 28 teilnehmenden Frauen eine Verbesserung der bewerteten Lebensqualität von 66% beobachtet. Zudem wurde beobachtet, dass 55,6% der Urinkulturen der Patienten negativ wurden. 44,4% der Patienten hatten Harnwegsinfektionen, aber mit einer geringeren Intensität der Symptome. Bei den Patienten mit der Installationstherapie verbesserte sich die Lebensqualität also signifikant und es kam größtenteils nicht zu neuen Harnwegsinfektionen bzw. wenn es zu neuen Harnwegsinfektionen kam, fielen sie milder aus.2

Eine umfassendere Untersuchung zur Wirksamkeit von intravesikaler Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat (allein oder in Kombination) bei wiederkehrenden Infektionen des Harntraktes betrieben zudem Goddard und Janssen mit ihrer Meta-Analyse. Dabei kamen sie anhand der Datenlage zu dem Ergebnis, dass Hyaluronsäure und Chondroitin die Anzahl der Harnwegsinfekte reduzierte und die Zeit bis zum Wiederauftreten erhöhte. Allerdings waren die randomisierten kontrollierten Studien nur für eine Kombination von Hyaluronsäure mit Chondroitin verfügbar.

Die intravesikale Instillation von Hyaluronsäure in Kombination mit Chondroitin kann daher, laut Goddard und Janssen, eine vielversprechende Möglichkeit zur Behandlung von wiederkehrenden Harnwegsinfektionen sein. Besser gesagt kann diese Behandlungsmöglichkeit eine Alternative zur häufig angewendeten Antibiotikaprophylaxe sein. Was wiederum von großer Bedeutung ist, da der häufige Konsum von Antibiotika bekannterweise zu Antibiotika-Resistenzen führen kann. Erreger, die Harnwegsinfekte verursachen, können ebenfalls über eine antimikrobielle Resistenz verfügen, weswegen Behandlungsmöglichkeiten wie die intravesikale Instillationstherapie ohne den Einsatz von Antibiotika dringend notwendig sind.3

Anwendung von Chondroitin & Hyaluronsäure im Vergleich zu herkömmlichen Behandlungsmethoden

Eine Fall-Kontroll-Studie von O. Ciani et al. untersuchte zudem die Intravesikale Anwendung von Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat bei wiederkehrenden Harnwegsinfektionen im Vergleich zu herkömmlichen Behandlungsmethoden. Die Studie zeigte, dass die Intravesikale Anwendung wirksam ist. Dabei scheinen die Anzahl der Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat-Instillationen ein wichtiger Erfolgsmarker für die intravesikale Anwendung zu sein.

Außerdem verbessere sich das zu vergleichende Wirksamkeitsprofil der GAG-Wiederherstellungstherapie im Laufe der Zeit, im Gegensatz zu einer Antibiotika-Prophylaxe, unter anderem aufgrund von Nebenwirkungen und Resistenzentwicklungen bei der Antibiotika-Prophylaxe. Insgesamt wurde der Wiederherstellungstherapie durch intravesikale Anwendungen mit Hyaluronsäure und Chondroitinsulfat eine vielversprechende Rolle zur Behandlung von wiederkehrenden Harnwegsinfekten zugesprochen.4

Orale Einnahme von Chondroitin und anderen Vitalstoffen bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten

Aber auch eine orale Einnahme von Chondroitin in Kombination mit anderen Vitalstoffen kann bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten wirksam sein. So untersuchten MC Schiavi et al. im Jahr 2018 die oral verabreichte Kombination von Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat, Curcumin und Quercetin bei der Prävention von postkoitalen rezidivierenden Harnwegsinfektionen, bei Frauen im reproduktiven Alter.

Dabei konnten sie belegen, dass die orale Einnahme einer Kombinationstherapie mit Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat, Curcumin und Quercetin eine adäquate und gut verträgliche nichtantibiotische Behandlungsoption zur Vorbeugung von postkoitalen wiederkehrenden Harnwegsinfektionen bei Frauen im reproduktiven Alter ist. Nach einer 6-monatigen Behandlung mit der Kombinationstherapie nahmen nämlich die Symptome der wiederkehrenden Harnwegsinfektion signifikant ab. Lediglich 7,1% der Patienten erlebten ein Wiederauftreten der Harnwegsinfektion.5

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