Chondroitin bei interstitieller Zystitis (schmerzhaftem Blasensyndrom)

Die interstitielle Zystitis (auch bekannt als schmerzhaftes Blasensyndrom) ist eine chronische bakterielle Blasenentzündung, welche schwer zu behandeln ist. Eine gebräuchliche Behandlungsoption sind Blaseninstillationen, allerdings mangelt es an Nachweisen für die Wirksamkeit dieser Art der Behandlung. Eine weitere Möglichkeit der Behandlung für Patienten mit interstitieller Zystitis sind Chondroitinsulfatlösungen als Glycosaminglycan-Wiederauffüllungstherapie (GAG-Therapie). Dabei wird die mit er Erkrankung einhergehende beschädigte Blasen-Auskleidung, sprich die Glycosaminglykan-Schicht (GAG), wieder aufgefüllt beziehungsweise wiederhergestellt. Diese Behandlungsmöglichkeit stellt eine sichere Methode dar, die zudem als nahezu frei von Nebenwirkungen gilt.

In einer Studienarbeit von Downey et al. wurde intravestikales Chondroitinsulfat zur Behandlung für die interstitielle Zystitis genauer untersucht. Die Forschergruppe konnte im Rahmen einer 24-Wochen-Bewertung belegen, dass nach 10 intravestikalen 2,0%-igen Chondroitinsulfat-Behandlungen sowohl der mittlere Schmerzwert (auf 2,0 gefallen), der Dringlichkeitswert (auf 1,8 gefallen), der O’Leary-Sant-Symptomwert (auf 6,89 gefallen) und die O’Leary- Sant-Problempunktzahl (auf 5,67 gefallen) sich signifikat verbesserten, im Vergleich zur Basisbewertung. Zudem betrug die Gesamtreaktion auf die Behandlung 70% und es kam während der Instillationen zu keinen Nebenwirkungen, sämtliche Patienten tolerierten das Medikament für die gesamte Behandlungszeit.1

Wirkung von Chondroitin im Vergleich zu DMSO

Eine weitere, im Jahr 2016 veröffentlichte randomisierte Studie von Tutolo et al. untersuchte die Chondroitin-Sulfat-Behandlung bei Frauen mit interstitieller Zystitis im Vergleich zu einer Behandlung mit Dimethylsulfoxid (Abkürzung: DMSO). Allerdings beendeten lediglich 6 der 14 Patientinnen der DMSO-Gruppe die Behandlung, da die anderen Patientinnen die Studie wegen Schmerzen, mangelnde Wirksamkeit oder dem unerträglichen Geruch abbrachen. Demzufolge sei eine DMSO-Behandlung folglich nur mit Vorsicht anzuwenden.

Die 22 Patientinnen der Chondroitinsulfat-Gruppe berichtetet konträr dazu öfter über eine moderate bis deutliche Verbesserung ihrer Symptome (73% bei der Chondroitinsulfat-Gruppe, im Vergleich zu lediglich 14% aus der DMSO-Gruppe). Dabei wurde in der Chondroitinsulfat-Gruppe über eine Verbesserung der Schmerzen, eine Verbesserung des nächtlichen Wasserlassens sowie anderen Symptomen berichtet. Insgesamt wurde die Studie aber aufgrund der vielen Abbrüche in der DMSO-Gruppe gestoppt, weswegen weitere Forschungsarbeiten zu dieser Thematik notwendig seien, um den Nutzen einer Chondroitinsulfat-Behandlung bei interstitieller Zystitis deutlicher zu bestimmen. Allerdings liefere die Studie von Tutolo et al. erste Nachweise dafür, weswegen eine Behandlung mit Chondroitinsulfat im Vergleich zu einer Behandlung mit DMSO zu bevorzugen sei.2

Interstitielle Zystitis: Behandlung mit Hyaluronsäure und Chondroitin

Im September 2016 veröffentlichten Cervigni et al. ebenfalls eine Studie zur Behandlung von einer interstitiellen Zystitis bei Frauen. Die Studie von Cervigni et al. umfasste allerdings 110 Patientinnen und verglich die Wirksamkeit und Sicherheit von Hyaluronsäure plus Chondroitin im Vergleich zur Behandlung mit DMSO. Dabei erhielten etwa zwei Drittel der Patientinnen Hyaluronsäure plus Chondroitin und der Rest DMSO. Sechs Monate nach der Behandlung wurden die Ergebnisse bewertet. Es stellte sich heraus, dass beide Behandlungsmöglichkeiten zu einer signifikanten Reduktion der Schmerzintensität führten.

Allerdings stellten die Forscher ebenfalls fest, dass die Schmerzintensität bei den Patientinnen, die wie geplant mit Hyaluronsäure und Chondroitin behandelt wurden, stärker zurückging und es bei dieser Gruppe zu weniger negativen Wirkungen kam (weniger als 2% der Patientinnen hatte Nebenwirkungen, im Vergleich zu 22% negativen Auswirkungen bei den Patientinnen der DMSO-Gruppe). Darüber hinaus verbesserten beide Behandlungsmethoden die Lebensqualität der Patientinnen, die Behandlung mit Hyaluronsäure und Chondroitin erwies sich allerdings als günstiger, was schließlich auch zu einem besserem Kosten-Nutzen-Profil führte (im Vergleich zur DMSO-Behandlung).3

Interstitielle Zystitis mit Pentosan-Sulfat behandeln

Abgesehen von intra-vesikalem Chondroitin erweist sich übrigens bei chronischen Schmerzen im Beckenbereich und wiederkehrenden Blasenentzündungen (durch interstitielle Zystitis oder Endometriose) auch oral eingenommenes Pentosan-Sulfat (Elmiron) als etwa gleich wirksam mit schnellerem Wirkeintritt, wie eine Studie aus dem Jahr 2017 belegte.4

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